5. Juli 2020

Wildtierfotografie
10 Tipps für bessere Fotos

Wildtierfotografie

Es gibt viele Wege und Arten, Tiere zu fotografieren. Und im Grunde genommen, kannst Du diese Tipps auf alle Tiere anwenden, ganz egal, ob Du deine Hauskatze fotografieren möchtest oder während eines Zoobesuchs Löwe und Tiger ablichten willst. Doch in diesem Artikel möchte ich speziell auf die Wildtierfotografie im freien Feld eingehen, weil diese Art der Fotografie mir persönlich die Liebste ist.

Sie hat mich gepackt. Die Leidenschaft. Die Leidenschaft für die Wildtierfotografie. Tatsächlich denke ich sogar, dass diese Art der Fotografie für mich die Königsdisziplin darstellt. Einfach, weil sie sehr viel Erfahrung, Kenntnisse und noch mehr Zeit und Geduld erfordert. Nicht selten verharre ich stundenlang an einem Ort, in einer Deckung und muss mir am Ende dann selbst eingestehen, leer ausgegangen zu sein. Doch wenn mir das Glück die Hand reicht, ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin und das gewünschte Foto entsteht, erfüllt mich dieses komplett und lässt mich mit sehr viel Dankbarkeit den Tag beenden. Ja, die Wildtierfotografie ist etwas besonderes und ich möchte Dir gerne 10 Tipps an die Hand geben, mit denen auch Dir bessere Fotos von wildlebenden Tieren gelingen.  

Meine Leidenschaft zur Wildtierfotografie begann im Jahr 2019, als ich die Erlaubnis bekam, einige Zeit, tief im Wald, auf einem Hochsitz zu verbringen. Am Anfang war es tatsächlich ziemlich langweilig, weil einfach nichts passierte. Doch nach einiger Zeit des Wartens zeigte sich ein junges Reh, dass ganz friedlich und ungestört auf einer Lichtung stand. Genau das war der Moment, in dem es Klick gemacht hat. An meiner Kamera und in meinem Kopf.

Die Leidenschaft war da und hat mich von dann an nicht mehr losgelassen. Ich wurde zum Jäger, ohne zu töten. An dieser Stelle möchte ich aber einmal erwähnen, dass ich kein Experte oder ausgezeichneter Wildtierfotograf bin. Und doch habe ich einige Regeln der Wildtierfotografie verstanden und komplett verinnerlicht.

Wildtierfotografie in freier Wildbahn

Es gibt viele Wege und Arten, Tiere zu fotografieren. Und im Grunde genommen, kannst Du diese Tipps auf alle Tiere anwenden, ganz egal, ob Du deine Hauskatze fotografieren möchtest oder während eines Zoobesuchs Löwe und Tiger ablichten willst. Doch in diesem Artikel möchte ich speziell auf die Wildtierfotografie im freien Feld eingehen, weil diese Art der Fotografie mir persönlich die Liebste ist. Und eine Regel, die mir heilig ist, lautet:

  • Nicht stören, nichts zerstören.

Es gibt Grenzen, die einfach nicht überschritten werden dürfen. Zwar bin ich selbst kein Jäger im klassischen Sinn, dennoch hat es für mich Sinn gemacht, mich mit den Regeln und Gesetzen der Jagd zu beschäftigen. So nehme ich zum Beispiel Abstand davon, Deckung auf einem Hochsitz zu suchen, da das unbefugte Betreten einer jagdlichen Einrichtung nicht erlaubt ist.

Sollte es Dir aber doch einmal in den Sinn kommen, weil Du glaubst, vom Hochsitz aus Wild besser fotografieren zu können, dann solltest Du vorab den zuständigen Jagdpächter oder einen Jagdausübungsberechtigten in dem entsprechenden Revier um Erlaubnis bitten. Die Kontaktdaten könntest Du eventuell bei der zuständigen Stadt- oder Gemeindeverwaltung erfragen. Ich persönlich finde es aber uninteressant, vom Hochsitz aus zu fotografieren. Warum? Dazu komme ich später. 

Die Ausrüstung

Grundsätzlich vertrete ich die Meinung, die beste Kamera ist immer die, die Du gerade dabeihast. Und gerade am Anfang bist Du vielleicht nicht bereit, Unsummen für teures Equipment auszugeben. Das ist natürlich völlig verständlich. Daher empfehle ich Dir, am Anfang erst einmal mit dem zu fotografieren, was Du wirklich besitzt. Wenn Dich dann die Leidenschaft gepackt hat und Du mehr möchtest, kannst Du immer noch investieren. 

Ich stelle Dir an dieser Stelle einfach mal die Ausrüstung vor, mit der ich fotografiere. Meine Kamera ist eine Canon EOS 6D Mark II. Als Objektiv verwende ich oft das Canon Telezoomobjektiv 100-400mm F4.5-5.6*. Diese Kombination ist für mich aktuell die Beste. Aus zwei einfachen Gründen: Erstens, ist es die Kombination, die ich besitze und zweitens kenne ich mich mit der Kamera einfach sehr gut aus, da ich schon seit Jahren mit der Canon-Reihe fotografiere und die Bedienung mittlerweile im Schlaf beherrsche

Wildtierfotografie

Darüber hinaus habe ich meistens ein Stativ dabei. Gerade wenn man mit hohen Brennweiten arbeitet, ist es ratsam eines dabei zu haben. Darüber hinaus solltest Du immer genügend Akkus und Speicherkarten* dabeihaben. Gerade in der Wildtierfotografie arbeite ich oft mit Serienaufnahmen und dann kann es unter Umständen vorkommen, dass die Speicherkarten schnell an ihre Grenzen kommen. 

Tipp 1 – Kenne Deine Kamera

TextIch hatte es schon erwähnt: Meine Kamera kann ich im Schlaf bedienen. Das bedeutet auch, dass ich stets im manuellen Modus fotografiere und mich niemals auf den Automatik-Modus verlasse. Einfach aus dem Grund, weil dieser in bestimmten Situationen zu ungenau ist und bei Gegenlicht z.B. komplett versagt. Gerade auch im Hinblick auf Belichtungszeiten kann dieser Modus einfach nicht funktionieren, weil er nicht wissen kann, was ich wie fotografieren möchte. 

Tipp 2 – Halte Deine Kamera fest in der Hand

Wenn ich draußen bin, dann halte ich meine Kamera fest. In der Hand. Nie im Rucksack oder in der Tasche. Ich halte sie fest und lasse sie stets eingeschaltet. Der Grund ist ziemlich simpel: Du weißt nie, was draußen passiert. Und wenn etwas passiert, musst Du blitzschnell reagieren können. Kein Augenblick, kein Moment und kein wildlebendes Tier wartet darauf, dass Du einsatzbereit und Deine Kamera fürs Foto eingestellt ist. Du musst bereit sein, ansonsten verschenkst Du wertvolle Zeit. 

Das Erste, was ich bei meiner Kamera übrigens zur Seite gelegt habe, ist der Objektivdeckel. Tatsächlich würde ich sogar behaupten, ihn verloren zu haben. Und wenn ich mit dem Stativ fotografieren möchte, dann ist die Kamera bereits auf diesem fest verschraubt und ich trage beides zusammen. Das sieht vielleicht etwas seltsam aus, aber im Fall der Fälle bin ich vorbereitet und muss mich darum nicht mehr kümmern. 

Tipp 3 – Richtig fokussieren

Das Wichtigste beim Fotografieren ist der richtige Fokus. Der muss einfach sitzen, damit das Endergebnis scharf wird. Ehrlich gesagt, immer gelingt mir das auch nicht und viele Fotos, die ich schieße, sind einfach nichts, weil das eigentliche Motiv unscharf geworden ist. Aber das macht gar nichts. Es ist noch nie ein Meister vom Himmel gefallen.

Grundsätzlich aber gibt es zwei Arten vom Fokus, die ich bei der Wildtierfotografie bevorzuge. Möchte ich Tiere portraitieren oder ein Tier fotografieren, dass sich gar nicht bis kaum bewegt, dann fotografiere ich gerne im One-Shot Modus. Ich aktivieren nur ein Fokusfeld und setze den Fokus auf den Bereich, den ich wirklich gestochen scharf haben möchte. Generell ist es so, dass wenn ich die Möglichkeit habe, ich die Augen der Tiere fokussiere. Wenn das Tier z.B. zur Seite schaut, dann fokussiere ich das Auge, das vorne ist.

Nun kommt es ja aber vor, dass Wildtiere sich auch bewegen. Meistens sogar schnell. In diesem Fall macht es mehr Sinn, den kontinuierlichen Autofokus einzuschalten und tatsächlich alle Fokusfelder zu aktivieren. Bei meiner Kamera, heißt dieser Modus AI-Servo. Dieser Modus bzw. dieser Fokus hat den Vorteil, dass mein Motiv verfolgt, wenn es sich bewegt und den Fokus dementsprechend immer wieder anpasst und ich selbst nicht ständig neu fokussieren muss.  

Tipp 4 – Serienbilder statt Einzelaufnahmen

Wo wir gerade beim Thema „sich bewegende Tiere“ sind: Halte drauf. Mach Serienbilder. Gib dem Auslöser Stoff. Das bedeutet zwar auch, dass sich Deine Speicherkarte schnell füllen wird, aber es hilft Dir unheimlich dabei, den „richtigen“ Moment zu erwischen.  

Tipp 5 – Achte auf die Perspektive

Am Anfang war es bei mir so: Ich habe ein Tier gesehen und einfach drauflos fotografiert, ohne mir über irgendwas Gedanken zu machen. „Oh. Ein Reh.“ Dauerfeuer. Das Ergebnis war am Ende oft eher langweilig und nichts sagend. Ein Reh. Irgendwo auf einer Wiese. Tatsächlich habe ich mir selbst dadurch besondere Momente einfach kaputt gemacht. Mittlerweile mache ich mir aber schon Gedanken, wie ich ein Foto optimal aufbauen kann. Ich suche nach interessanten Elementen, Störern oder anderen Dingen, die ich in mein Bild einbauen kann. Tatsächlich ist es ja so, dass die Natur uns da eine Vielzahl an Möglichkeiten bereithält. Was in meinen Augen aber noch wichtiger ist, ist die Perspektive. Und da komme ich an den Punkt, an dem ich Dir sage, dass ein Hochsitz meiner Meinung nach immer die falsche Wahl ist, um Wildtierfotografie zu betreiben. 

Ich fotografiere Tiere stets auf Augenhöhe. Nie von oben herab. Das bedeutet, dass ich oft in der Hocke verweile oder mich flach auf den Boden lege. Das hat natürlich zur Folge, dass ich dreckig werde und generell ist es manchmal sogar ziemlich anstrengend. Aber für ein gutes Foto, auf das ich später stolz sein kann und das sich am Ende sogar verkaufen lässt, ist es mir diesen Aufwand wert. Das ist ein Grund, warum ich Hochsitze eher meide und mich nicht wirklich darum kümmern muss, eine Genehmigung fürs Betreten dieser jagdlichen Einrichtung zu bekommen.  

Tipp 6 – Gehe morgens oder abends raus

Morgenstund hat Gold im Mund. Zwei Euro fürs Phrasenschwein. Aber es stimmt trotzdem. Allerdings gilt das auch für die Abendstunden. Warum? In dieser Zeit findest Du das beste Licht für Deine Fotos. Darüber hinaus steigerst Du Deine Chancen auf tolle Fotos, da das Wild in dieser Zeit deutlich aktiver ist.   

Tipp 7 – Kenne die Tiere, die Du fotografieren möchtest

Beschäftige Dich mit den Tieren, die Du fotografieren möchtest. Lerne sie kennen. Erfahre mehr, über ihre Verhaltensweisen, Muster und Lebensweisen. Das hat mehrere Vorteile: Erstens verstehst Du sie besser, wenn Du weißt, was sie fressen oder wann sie aktiv sind und Du kannst Dich besser darauf vorbereiten, sie zu fotografieren. Darüber hinaus lernst Du aber auch, wenn Du sie in Ruhe lassen und schonen sollst. Denn über allem steht immer das Wohl der Tiere und letzten Endes bist Du nur ein Störfaktor, der vielleicht ein schönes Foto machen möchte.

Ich habe mir vor einiger Zeit das Buch „Vor und nach der Jägerprüfung*“ von Krebs gekauft. Nicht weil ich eine Jagdprüfung bestehen möchte, sondern weil dieses Werk ein ausgezeichnetes Buch ist, in dem Du viel über die heimische Tierwelt lernen kannst. Darüber hinaus gibt es einen sehr guten Teil über das Jagdrecht und bestehende Gesetze, die Du kennen solltest, um nicht in Schwierigkeiten zu geraten. Für mich ist dieses Buch eine wahre Goldgrube an Wissen und es hat mir schon viele Dinge gezeigt, die ich selbst nicht wusste oder nicht einmal geahnt habe. Es hat mir schon oft dabei geholfen, bessere Fotos zu schießen, weil ich verstanden habe, wie die Tiere, die ich fotografieren möchte leben und sich verhalten.  

Tipp 8 – Sei kein „Wilderer“

Vielleicht klingt diese Überschrift etwas überzogen, dennoch ist sie komplett ernst gemeint. Natürlich ist mir bewusst, dass kein Mensch, der ernsthaft Wildtierfotografie betreiben möchte, etwas mit „Wilderei“ zu tun haben muss. Und dennoch gehen manche für „das Foto“ über Grenzen, die sie besser nicht überschreiten sollten. 

Was ich genau meine? Du solltest dem Wild nicht nachstellen, es nicht verfolgen, anlocken oder aufscheuchen. Halte Dich an die bestehenden Regeln und Gesetze. Störe das Wild nicht in seiner Umgebung und vermeide, für ein gutes Foto eines Tieres, andere Tiere zu stören. Im Bundesjagdgesetzt heißt es:

Verboten ist, Wild, insbesondere soweit es in seinem Bestand gefährdet oder bedroht ist, unbefugt an seinen Zuflucht-, Nist-, Brut- oder Wohnstätten durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu stören. 

Bundesjagdgesetz § 19a „Beunruhigen von Wild“

Im Zweifelsfall spreche Dich mit dem zuständigen Förster, dem Jagdpächter oder einem Jagdausübungsberechtigten ab.

Tipp 9 – Respekt vor den Tieren, der Landschaft und der Natur.

Ein gutes Foto. Dafür würden einige alles tun. Ich für meinen Teil verzichte lieber auf ein Foto, als das ich dafür den Respekt und die Achtung vor den Tieren und der Natur aufgeben muss. So laufe ich z.B. in der Brut- und Setzzeit nicht über die Wiesen und Felder, um eventuelle Brutstätten nicht zu zerstören oder liegende Kitze zu stören. 

Fotografiert mit der Canon EOS 6 D Mark II und dem Canon objektiv EF 100-400mm F4.5-5.6

Natürlich kommt es manchmal vor, dass ein Tier vor mir flüchtet. Das bedeutet aber, dass ich es nicht gesehen habe und ihm zu nahegekommen bin. Im Grunde genommen vermeide ich genau das. Dank meines Objektives* ist es mir möglich, Tiere aus der Ferne zu fotografieren. Und um den Tieren noch näher zu kommen, möchte ich lieber die Brennweite* erhöhen, als weiter auf die Tiere zuzugehen. So erfordert die Art der Wildtierfotografie natürlich Geduld und Zeit. Wenn Du diese nicht hast, dann würde ich Dir empfehlen, Tiere in einem Wildpark zu fotografieren, denn auch hier hast Du die Möglichkeit, beeindruckende Fotos zu schießen. 

Tipp 10 – Löse Dich von allen Erwartungen

Vielleicht ist das sogar der wichtigste Tipp überhaupt. Löse Dich von allen Erwartungen. Erwarte einfach nicht, dass Du ein grandioses Foto schießen wirst. Einfach aus dem Grund, dass Du am Ende des Tages dann die Enttäuschung nicht so hoch ist. Tatsächlich ist es so, dass es immer wieder Tage gibt, an denen ich kein einziges Foto schieße, weil einfach nichts passiert oder ich kein Wild zu Gesicht bekomme. 

Geduld ist wahrscheinlich das wichtigste Instrument der Wildtierfotografie. Gute Tierfotos entstehen nämlich nicht einfach so. Wildtiere sind unheimlich scheu, aufmerksam und reagieren sofort. Für ein Foto eines Spechtes z.B. habe ich gute drei Stunden am Rand eines Weges gewartet. Bei Aufnahme der Fütterung zu diesem Beitrag hatte ich mehr Glück. Insgesamt habe ich vielleicht eine halbe Stunde gewartet.  

Wildtierfotografie – auch irgendwie ein Mikroabenteuer

Die Wildtierfotografie macht Spaß. Mir zumindest. Sie stellt für mich persönlich eine Art Mikroabenteuer da. Auch, wenn es vielleicht seltsam erscheinen mag, stundenlang an einem Fleck zu sitzen und nur darauf zu warten, dass irgendwas passiert. Aber wenn etwas passiert und ich ein oder zwei wirklich tolle Fotos schießen kann, dann erfüllt mich das mit Dankbarkeit, Glück und Zufriedenheit. Und genau das ist es doch, was am Ende zählt, oder? 

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